Was Kinder wirklich brauchen, wenn sie vor einer Herausforderung stehen

"Ich kann das nicht". Vielleicht kennst du diesen Satz von deinem Kind. Und vielleicht weißt du in diesem Moment ganz genau: Doch. Eigentlich kann es das. Also sagst du: "Doch. Natürlich kannst du das". Und trotzdem kommt vielleicht nur ein "nein, kann ich nicht!".

Warum hilft unser gut gemeinter Zuspruch manchmal nicht?

Wenn wir das Können unseres Kindes sehen, das Kind selbst aber gerade nicht.

Als Eltern sehen wir oft viel früher, was in unserem Kind steckt. Wir kennen seine Fähigkeiten. Wir wissen, was es schon geschafft hat. Und wir erinnern uns vielleicht daran, wie es eine ähnliche Situation schon einmal gemeistert hat.

Das Kind selbst erlebt gerade etwas anderes. Vielleicht weiß es selbst noch gar nicht genau, was die Situation so schwierig macht. Vielleicht kann es noch nicht benennen, ob es Angst hat, unsicher ist, sich überfordert fühlt oder einfach noch nicht bereit ist. Und dann hilft es wenig, ihm zu erklären, dass es das doch schafft - dass es eine Lösung findet und bald ein Ergebnis präsentieren kann. Das bedeutet nicht, dass unsere Ermutung unwichtig ist. Im Gegenteil. Es macht einen Unterschied, denn das Kind sprüt: Jemand glaubt an mich. Aber manchmal braucht es vorher etwas anderes.

Nicht überzeugen. Erst einmal herausfinden, was gerade schwierig ist.

Wenn dein Kind sagt: "Ich will da nicht hin" oder "ich kann das nicht" muss die erste Reaktion nicht gleich eine Lösung sein. Du kannst erst einmal neugierig werden:

  • "Was genau fühlt sich gerade schwierig an?"
  • "Was macht es gerade so schwer?"
  • "Was wäre ein kleiner Schritt, den du dir vorstellen könntest?"

Denn manchmal stellen wir als Erwachsene fest, dass wir die Situation ganz anders eingeschätzt haben. Für uns ist eine Schnupperstunde vielleicht nur eine Stunde Training. Für unser Kind bedeutet das vielleicht: in einen Raum voller fremder Menschen gehen, einen unbekannten Trainer kennenlernen, etwas vor anderen ausprobieren und nicht wissen, was passiert. Und genau deshalb lohnt es sich, nicht automatisch von unserer eigenen Einschätzung auf das Kind zu schließen.

Sicherheit zu geben bedeutet nicht, die Herausforderung abzunehmen

Wenn sich ein Kind vor einer neuen Situation fürchtet, muss die Lösung nicht heißen: "Du wirst das schon schaffen" oder "schau mal, die anderen schaffen das auch"

Manchmal hilft es, die Situation vorher ein Stück vertrauter zu machen. Am Beispiel mit der Schnupperstunde:

  • Wir schauen gemeinsam, ob wir Informationen im Internet entdecken, Fotos vom Raum oder vom Trainer/in
  • wir kommen ein paar Minuten vorher, bevor die anderen Kinder da sind
  • Mama und Papa bieten an, dabei oder in der Nähe zu bleiben
  • wir vereinbaren vorher, was passiert, wenn es wirklich gar nicht geht

Das bedeutet nicht automatisch, das das Kind unselbständig wird. Sicherheit kann eine Brücke sein, über die ein Kind überhaupt erst selbständig werden kann. Und manchmal passiert dann etwas Spannendes: Das Kind weiß plötzlich, es ist vorbereitet und es gibt einen Notfallplan und braucht die Hilfe gar nicht mehr.

Was kannst du eigentlich gut?

Eine kleine Übung, die du jetzt ausprobierst: Stell den Timer auf 2 Minuten und schreibe 10 Dinge auf, die du gut kannst. Gar nicht so leicht? Dann geht es dir vielleicht wie vielen Menschen. Und jetzt stell dir vor, wir erwarten von unseren Kindern, dass sie ihre Stärken kennen und in schwierigen Situationen wissen: Ich kann das. Das liegt mir.

Mach daraus eine gemeinsame Übung. Vielleicht sagst du: "Ich habe gerade selbst mal aufgeschrieben, was ich eigentlich gut kann. Und weißt du was? Mir sind gar nicht so viele Dinge eingefallen. Wollen wir das zusammen machen?". Es geht hier um das gemeinsame Entdecken. Auch hier haben wir keine Lösung, wenn dem Kind nichts einfällt. Wir gehen Hinweise, damit es selbst auf seine Fähigkeiten kommt.

Wenn wir nicht an das Kind herankommen?

Manchmal wissen Eltern genau, was ihrem Kind helfen könnte. Und trotzdem kommen sie gemeinsam nicht weiter. Das bedeutet nicht, dass die Eltern etwas falsch machen. Eltern und Kinder sind sich bei bestimmten Themen einfach sehr nah. Und manchmal ist genau das sehr hilftreich und manchmal nicht. Es ist ein bisschen wie beim Schwimmenlernen. Natürlich können Eltern ihren Kindern das Schwimmen beibringen. Viele Eltern entscheiden sich trotzdem für einen Schwimmkurs.

Manchmal ist es hilfreich, wenn jemand von außen einen anderen Zugang zu einem Thema hat. Genau das kann Coaching sein. Es geht nicht darum, dem Kind etwas zu erklären sondern darum, gemeinsam herauszufinden: Was braucht dieses Kind? Manchmal braucht es dafür nur eine neue Perspektive.

Wenn du Unterstützung suchst

Statt zu sagen "du kannst das" sollten wir fragen "Was brauchst du, damit du es versuchen kannst".

Wenn dein Kind dennoch häufig an sich zweifelt, neue Situationen vermeidet oder sich selbst wenig zutraut, kann es hilfreich sein, gemeinsam genauer hinzuschauen. Im Einzelcoaching mit Kindern und Jugendlichen geht es nicht darum, ein Kind selbstbewußt zu "machen". Wir schauen gemeinsam was hinter einer Situation steckt, welche Ressourcen bereits da sind und welcher nächster Schritt zum Kind passt.

Eure Sandra von Sanari Familiencoaching